Bulimie

Begriff
Ursachen
Heilungschancen
Anzeichen
Hilfsmöglichkeiten
Hilfe und Informationen
Lesetipps

Was ist Bulimie?

Mit Bulimie bezeichnet man die Ess-Brech-Sucht, die wie die Magersucht und die Fettsucht zu den sogenannten Essstörungen zählt und häufig während der Pubertät beginnt.
Bei dieser seelisch bedingten Krankheit verschlingen die Betroffenen in kürzester Zeit riesige Mengen „verbotener“, d.h. kalorienreicher Nahrung (Sahnetorte, Pommes, Eis...) und versuchen anschließend eine Gewichtszunahme zu vermeiden, indem sie entweder Abführmittel verwenden, eine strenge Diät einhalten, übermäßig viel Sport treiben oder selbst das Erbrechen herbeiführen.
Diese heimlichen Fressanfälle, denen sich die Betroffenen hilflos ausgesetzt fühlen und für die sich schämen und Schuldgefühle empfinden, treten mehrmals wöchentlich auf und ziehen sich über Monate, wenn nicht Jahre hin.

Was sind die Ursachen für diese Krankheit?

Häufig haben die Betroffenen ein sehr geringes Selbstwertgefühl und fühlen sich erst geliebt und gemocht, wenn sie dem schlanken Schönheitsideal entsprechen. Die Unfähigkeit, die in der Pubertät zunehmenden Probleme und Stresssituationen mit Eltern, in der Schule, mit dem anderen Geschlecht erfolgreich zu bewältigen, wird durch die Essstörung bekämpft bzw. verdrängt. Essen wird plötzlich zum Suchtmittel, auf das bei Angst, Spannungen, Schwierigkeiten und Ausweglosigkeit zurück gegriffen wird. Oft geht der Bulimie eine magersuchtähnliche Phase voraus, denn nach dem vorherigen völligen Essensverzicht empfinden die Patientinnen die Möglichkeit, nun nach Lust und Laune „sündigen“ zu dürfen als Gewinn, solange sie das Essen hinterher wieder los werden können. In dieser Phase wie überhaupt wird die Bulimie von den Betroffenen nicht als Krankheit erkannt und sie reden sich ein, sie könnten jederzeit aufhören, wenn sie es nur wirklich wollten...

Kann Bulimie geheilt werden?

Für die Krankheit bestehen gute Heilungschancen, allerdings schaffen es die Betroffenen selten ohne fremde Hilfe und die erlittenen körperlichen Schäden sind leider auch nicht mehr rückgängig zu machen. Oft ist eine langwierige Psychotherapie erforderlich, zunächst in einer Fachklinik, später in Form von regelmäßigen Sitzungen bei einem Facharzt. Hierbei müssen nicht nur die Fressanfälle überwunden, sondern auch die seelischen Probleme erforscht werden, die für das Entstehen der Krankheit verantwortlich sind.
Eine gute Unterstützung bieten Selbsthilfegruppen von anderen Betroffenen und deren Familienmitgliedern. Das Darüberredenkönnen und Sichverstandenwissen gibt Kraft und hilft bei möglichen Rückschlägen.

Kann man einer bulimischen Person ihre Krankheit von außen sofort ansehen?

Da die Betroffenen oft Normalgewicht haben und sich im Zusammensein mit anderen beim Essen „beherrschen“, kann man ihnen ihre Krankheit nicht auf Anhieb „ansehen“. Im Gegenteil, häufig gelten die Betroffenen in ihrer Umwelt als besonders willensstark und diszipliniert und nur gelegentlich wirken sie launischer als sonst.
Allerdings lassen sich auf den zweiten Blick durchaus einige verräterische Anzeichen erkennen: die Haut ist trocken, die Haare sind brüchig, das blasse Gesicht ist gezeichnet von dunklen Augenringen und wirkt etwas rundlich wegen der geschwollenen Speicheldrüsen. Andere Veränderungen hingegen kann nur ein Arzt ausmachen: die plötzlich viel schlechter gewordenen Zähne (die aggressive Magensäure hat den Zahnschmelz zerstört), den niedrigen Blutdruck, Entzündungen der Speiseröhre, Muskelschwäche, Menstruationsstörungen, den gestörten Elektrolythaushalt oder Herzrhythmusstörungen.

Was soll ich tun, wenn ich glaube, dass mein Freund/meine Freundin unter Bulimie leidet?

Einfach weg zu schauen wäre sicher das Bequemste, aber wenn dir an deiner Freundin (von der Krankheit sind nach wie vor wesentlich mehr Mädchen als Jungen betroffen) wirklich etwas liegt, dann erzähl ihr von deinen Befürchtungen und Sorgen um ihre Gesundheit. Wahrscheinlich streitet sie alles ab und reagiert aggressiv, ein sicheres Zeichen, dass du mit deiner Vermutung richtig liegst.
In diesem Fall musst du dich unbedingt an ihre Eltern wenden! Das hat überhaupt nichts mit „Petzen“ zu tun, im Gegenteil, deine Freundin ist krank und braucht dringend Hilfe! Falls ihre Eltern ahnungslos sind (Bulimikerinnen haben eine gute Übung darin, ihre Krankheit zu vertuschen!), musst du sie informieren, sie werden dann wissen, was als nächster Schritt zu tun ist.
Während der Behandlung deiner Freundin kannst du ihr dann vor allem dadurch helfen, dass du einfach für sie da bist, ihr zuhörst, Verständnis für ihre Probleme entgegenbringst (auch wenn du die Krankheit selber nicht begreifen und nachvollziehen kannst!), deinen möglichen Ekel nicht zeigst und sie in ihren Therapieschritten unterstützt (z.B. in ihrer Gegenwart nicht gerade die Leckereien verputzen, auf die sie besonders anfällig reagiert hat).
Auf keinen Fall darfst du mit ihr schimpfen, sollte sie einen Rückfall erleiden, oder gar Druck und Zwang auf sie ausüben. Sie soll sich geliebt und nicht überwacht oder entmündigt fühlen. Du wirst neben einer Menge Geduld brauchen auch ein dickes Fell brauchen, vor allem bei ihren Gefühlsschwankungen und -ausbrüchen. Dafür kannst du aber auch furchtbar stolz auf dich sein!

Hilfe und Informationen:

Selbsthilfeorganisationen( gibt es in vielen Städten, im Telefonbuch nachschauen oder im Gesundheitsamt nachfragen!):

  • Die Brücke e.V. (Zentrum für Beratung und Psychotherapie)
  • Dick & Dünn e.V. (Beratungszentrum bei Esstörungen)
  • Cinderella (Aktionskreis für Ess- und Magersucht)
  • ANAD e.V.(Selbsthilfe bei Anorexia/Bulimia nervosa)
  • Ess-o-Ess (Beratung für Frauen und Mädchen mit Essstörungen)

    Zum Weiterlesen:

  • Nygaard, Gunvor: Inger oder jede Mahlzeit ist ein Krieg (dtv pocket)
  • Schlipper, Anette: Finger in den Hals (Patmos Verlag)

    © 1999 Anja Gerstberger, Foto: Copyright Corel Draw, verwendet in Lizenz